Donnerstag, 22.01.2026

Smartphonealarm für Helfer soll Wartezeit bis zum Rettungsdienst verkürzen

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Der Rheingau Taunus Kreis hat am 8. Dezember ein appbasiertes Ersthelfersystem gestartet, mit dem medizinisch geschulte Ehrenamtliche bei Herzstillstand schneller alarmiert werden sollen. Das Projekt Mobile Retter soll die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes verkürzen und so die Überlebenschancen Betroffener erhöhen. Nach Wiesbaden und dem Kreis Groß Gerau ist der Kreis damit die dritte Region im Rhein Main Gebiet, die das System einführt.

Wie das System funktioniert

Bei einem gemeldeten Herzstillstand aktiviert die Leitstelle das System. Die App lokalisiert die zwei nächstgelegenen registrierten Ersthelfer, die über Smartphone direkt zum Einsatzort navigiert werden. Die Helferinnen und Helfer werden gezielt nur dann alarmiert, wenn sie sich in unmittelbarer Nähe befinden und eine medizinische Qualifikation hinterlegt ist.

Ein integrierter Taktgeber in der Anwendung soll die richtige Rhythmik der Herzdruckmassage unterstützen. Zudem kann die App parallel weitere Helfer zu einem in der Nähe befindlichen automatisierten externen Defibrillator führen. Ziel ist es, die Minuten bis zum Eintreffen professioneller Rettungskräfte zu überbrücken und lebensrettende Maßnahmen frühzeitig einzuleiten.

Einführung und Registrierung

Die Registrierung erfolgt über die Mobile Retter App oder ein Online Portal. Nach Prüfung der Qualifikationen werden Freiwillige für Einsätze freigeschaltet. Zum Start ist das Angebot auf Angehörige des Rettungsdienstes, der Feuerwehren und der Katastrophenschutzeinheiten begrenzt. Diese Eingrenzung diene dazu, Abläufe in Ruhe zu testen und Erfahrungen zu sammeln, bevor das System für eine breitere qualifizierte Bevölkerung geöffnet wird.

Sicherheit, Daten und Nachsorge

Die Betreiber weisen darauf hin, dass Zugriffe geschützt und Einsatzdaten verschlüsselt übertragen werden. Die Kommunikation läuft über die Leitstelle und ein verpflichtendes Einsatzprotokoll soll eine strukturierte Nachsorge ermöglichen. Solche technischen und organisatorischen Maßnahmen sind nach Angaben der Verantwortlichen Teil der Voraussetzungen, um Datenschutz und Einsatzqualität zu gewährleisten.

Erwartetes Nutzenpotenzial

In Deutschland erleiden nach Angaben der Verantwortlichen mehr als 120 000 Menschen pro Jahr außerhalb von Krankenhäusern einen Herzstillstand. Die Überlebensrate liegt bislang bei rund zehn Prozent. Nach Schätzungen könnte ein flächendeckendes, schnelles Ersthelfersystem bundesweit mehr als 10 000 Menschenleben jährlich retten, wenn Erstmaßnahmen in den entscheidenden Minuten vor Eintreffen des Rettungsdienstes erfolgen.

Landrat Sandro Zehner betonte, dass jede Minute zähle und das neue System die Rettungskette im Kreis stärken könne. Matthias Nagel, Ärztlicher Leiter im Rettungsdienst des Rheingau Taunus Kreises, wies darauf hin, dass Mobile Retter den Rettungsdienst nicht ersetzen, wohl aber die kritischen Minuten bis zum Eintreffen professioneller Helfer überbrücken sollen. Im Mittelpunkt stünden Ehrenamtliche, die ihre Fähigkeiten für andere einsetzen und damit unmittelbar zum Lebensschutz beitragen.

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