Donnerstag, 13.08.2026

Kostheim: Baustart für autofreies Wohnquartier mit 222 Wohnungen und neuem Bürgerhaus

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Am 13. August fiel in Kostheim der symbolische Spatenstich für ein neues Wohnquartier, das in drei Bauabschnitten bis Ende 2028 entstehen soll. Träger des Vorhabens ist die GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft. Auf rund 18 529 Quadratmetern Wohnfläche sind 222 Mietwohnungen geplant, außerdem eine Kindertagesstätte, eine Quartiersplatzanlage und eine neue Außenstelle der GWW.

Aufteilung der Bauabschnitte und Wohnungsangebot

Das Projekt umfasst acht Mehrfamilienhäuser. Der erste Bauabschnitt liegt an der Bahnlinie und bildet den südlichen Abschluss des Quartiers. Dort entstehen 74 Mietwohnungen in drei Gebäuden sowie zwei Clusterwohnungen mit jeweils sechs Appartements. Holzfassaden sollen dem Abschnitt eine moderne und nachhaltige Anmutung geben. Verantwortliches Architekturbüro ist ROSA WIRTZ ARCHITEKTUR PARTG MBB.

Im zweiten Bauabschnitt entlang der Kostheimer Landstraße sind 115 Mietwohnungen in drei Mehrfamilienhäusern vorgesehen. Ergänzt werden diese durch eine Gewerbeeinheit zur Straße, ein Co-Working-Büro sowie die neue GWW-Außenstelle für Amöneburg, Kastel und Kostheim. Planer sind ENDERSWEISSBANGERT Architekten und Stadtplaner.

Der dritte Bauabschnitt umfasst 33 Wohnungen in zwei Häusern, darunter Maisonettewohnungen. Im Zentrum des Quartiers entsteht ein Kopfbau mit einer zweigeschossigen viergruppigen Kindertagesstätte. Vor der Kita ist ein Quartiersplatz mit Wasserspiel und Sitzbereichen geplant. Für diesen Teil zeichnet das Büro KISSLER EFFGEN + PARTNER Architekten verantwortlich.

Energieversorgung, Nachhaltigkeit und Freiflächen

Die Wohnanlage soll weitgehend fossilfrei versorgt werden. Auf den Flachdächern sind großflächige Photovoltaikanlagen geplant, die Mieterstrom liefern sollen. Die Wärmeversorgung übernimmt ESWE mit einem Kalten Nahwärmenetz. Dazu werden 120 Erdwärmesonden bis zu 110 Meter Tiefe installiert. Dezentrale Wärmepumpen heben die Temperatur auf das benötigte Niveau. Im Sommer kann überschüssige Wärme ins Erdreich zurückgeführt und gespeichert werden.

Ralf Cohrs, Prokurist der ESWE Versorgungs AG, beschreibt das System als Verbindung von Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Komfort. Alle Gebäude erhalten intensive Dachbegrünungen, die als Retentionsdächer zur Regenrückhaltung dienen. Regenwasser wird über Mulden und Rigolen auf dem Grundstück versickert, so dass die öffentliche Kanalisation bei Starkregen entlastet wird.

Mobilität und Infrastruktur

Das Quartier ist autofrei geplant. Die Pkw-Stellplätze werden in einer Hochgarage am Quartierseingang gebündelt. Dort sind E-Ladestationen vorgesehen. Öffentliche Parkflächen sollen ebenfalls mit Ladesäulen ausgestattet werden. Zur Förderung alternativer Mobilität sind Carsharing-Angebote, E-Lastenräder und Leihfahrräder geplant. Baudezernent Andreas Kowol hob die Kombination aus Wärmepumpen und eigener Photovoltaik hervor und nannte E-Ladestationen auf öffentlich zugänglichen Flächen einen Selbstverständlichkeit.

Sozialer Wohnungsbau und bürgerschaftliche Angebote

Von den 222 Wohnungen werden 67 Einheiten als Sozialwohnungen gefördert. Die Förderquote liegt bei 30,2 Prozent. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende betonte, dass die Wohnungen in unterschiedlichen Größen geplant seien, um verschiedenen Lebenssituationen gerecht zu werden, und nannte die geförderten Einheiten einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes.

Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher verwies auf Angebote, die Alltag und Nachbarschaft stärken sollen. Neben der Kita sind ein Quartiersplatz mit Wasserspiel, ein Sportangebot auf dem Dach der Hochgarage sowie die direkte Nähe der GWW-Außenstelle Teil des Konzepts. Kaweh Mansoori, Hessischer Wirtschaftsminister, sieht im Projekt ein Beispiel dafür, wie bezahlbarer, nachhaltiger sozialer Wohnungsbau aussehen kann.

Neues Bürgerhaus als Ergänzung

Parallel zum Wohnungsbau entsteht ein neues Bürgerhaus für Kastel und Kostheim. Die Stadt hatte 2015 beschlossen, die bisherigen Bürgerhäuser zu ersetzen. Das neue Gebäude bietet einen rund 765 Quadratmeter großen Veranstaltungssaal im Erdgeschoss, der für bis zu 800 Personen ausgelegt ist, sowie Clubräume, einen Mehrgenerationentreff und einen grünen Freiraum im Obergeschoss. Vereine, Verbände und die Volkshochschule sollen dort künftig Räume finden.

Andreas Rettig, Leiter des Hochbauamtes, betonte die Verwendung ökologisch zertifizierter Baumaterialien und die Ausrichtung an den Leitlinien für nachhaltiges Bauen der Landeshauptstadt Wiesbaden. Mit der Kombination aus Wohnungen, Kita, Bürgerhaus und Angeboten für Vereine soll ein quartiersorientierter Ort für Begegnung und Kultur entstehen.

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